Der zierliche Anhänger
Von meiner Urgrossmutter Moudhra erhielt ich ein zierliches Amulett, in welchem ein Feuerdimant von makelloser Schönheit eingelassen ist. Ich trage es ständig bei mir, und ich fühle die Wärme des Feuers auf meiner Haut. Moudhra erklärte mir, dass das Feuer im Inneren des Diamanten das Feuer unserer Familie sei. Wenn es dereinst verlöschen sollte, verlässt das letzte Blut unserer Familie dieErde.
Manchmal kann ich den Blick nicht vom Amulett abwenden - das Feuer im Innern des Steines absorbiert meine gesamte Aufmerksamkei. Ich glaube beinahe, das leise Flüstern der Flammen zu vernehmen, und für sekundenbruchteile ist es mir, als ob ich Bilder in den Flammen sähe.
Doch diese Bilder waren anderes als diejenigen aus meiner Kindheit – diese Bilder hatte ich mir nicht eingebildet. Ich weiss, dass ich sie sah, ich weiss, dass sie da waren, und doch zweifle ich an meinen eigenen Sinnen – denn wie könnte es möglich sein, dass ich einen Anker oder eine Sanduhr im Innern sehe? Andererseits, so frage ich mich, bildete ich mir als Onlokind gar nicht ein, Dinge in den Flammen zu sehen, sondern sah sie wirklich?
Wenn ich mich in Ruhe auf die Lichtung zurückziehe, halte ich oft, vor dem Einschlafen, das Amulett fest. Kühl und solid liegt es in der Hand, und ich drehe es langsam zwischen den Fingern und versuche, dabei an nichts zu denken, so wie es mich meine Urgrossmutter gelehrt hatte. Das Funkeln des spärlich einfallenden Lichts kitzelt meine Augen, und nach einer Weile verschwinden die Gedanken aus meinem Kopf, werden verdrängt durch das Feuer im Innern des Diamanten. Und dann, immer dann, wenn ich an nichts anderes denke ausser an diese Flammen, sehe ich diese Bilder darin. Stets nur ganz kurz, in schneller Abfolge. Je öfter meinen Kopf leeren kann, desto deutlicher erkenne ich die Bilder, und ich spüre manchmal Unterschiede darin. Es ist schwierig zu erklären, doch manchmal – bedeutet ein Anker etwas anderes als der selbe Anker zu einem andern Zeitpunkt. Je öfter ich mich mit dem Amulett beschäftige, desto einfacher wird es für mich, die Bilder zu erkennen und ihren Sinn zu verstehen.


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