Lar Tmava

Eine grossgewachsene, schlanke Onlo mit einem kleinen anatubischen Vulkan-Waldschnapper auf der Schulter.

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Standort: Baumzucht

Montag, Juli 31, 2006

Rakos

Entnervt hatte ich heute meine Armbrust zu Boden geschleudert – einmal mehr! Diese elende Waffe liess zwar präzise Schüsse zu, aber sie war dermassen gross und unhandlich, dass mir je länger je mehr davor graute. Wie sollte ich lautlos durch dichte Wälder streifen, wenn sich die dumme Armbrust ständig in den Ästen verhedderte?


Seufzend hob ich die Armbrust wieder vom Boden auf, wischte den Schmutz ab und schulterte das unhandliche Teil. Wie ich doch die Waffen meiner Heimat vermisste. Präzise, lautlos, handlich. So müssen Waffen sein, sonst wird eine Jagd im dichten Unterholz ja verunmöglicht.


Als kleine Onlo habe ich mit meinen Brüdern oft mit Rakos gespielt, mit Blasrohren. Spielzeuge zwar, aber Übung macht den Meister, und mit älteren Brüdern, die das einfach besser können, weil sie Jahre Übungsvorsprung haben, lernt eine kleine Onlo schnell dazu. Wir haben kleine Blätterbällchen durch die Gegend gepustet, welche wir zuvor in Blütenpollen gewälzt hatten. So hinterliessen sie kleine gelbe oder rote Flecken, dort, wo sie auf etwas auftrafen. Zu Anfang tauchte ich nach unsern wilden Spielen pollenbestäubt auf, übersät mit farbigen Flecken und nicht selten wütend - über meine Brüder und noch mehr über mich, dass ich einfach nicht schnell genug war, nicht präzise genug zielen konnte.


Doch jeder Vorteil hat auch Nachteile – so waren meine Brüder zwar älter und stärker, doch sie mussten auch früher Unterricht nehmen, während mir noch meine kindliche Freiheit gewährt wurde. Hartnäckig übte ich, während sie bei unserem Hauslehrer Pantalaimon schwitzten.


Im Laufe der Jahre verfeinerte ich meine Technik, und ich kann mich noch genau an den Tag erinnern, an welchem ich mein erstes richtiges Rakos erhielt. Es war beinahe so lang wie mein ganzer Arm, und das Holz schimmerte golden. Ich war begeistert. Das Mundstück fühlte sich seltsam kühl an, doch die Waffe lag mir ganz natürlich in der Hand, als ob sie ein Teil von mir wäre. Dazu erhielt ich einen kleinen ledernen Beutel, in welchem die Pfeile aufbewahrt wurden. Je nach dem, was für eine Jagd es war, präparierten wir die Pfeile vorher mit Gift. Dafür war der Lederbeutel speziell behandelt, so dass das Gift nicht nach draussen dringen konnte.


Mein Vater führte mich in den Garten und hiess mich stehenbleiben. Dann pinnte er ein einzelnes Blütenblatt an die Wand unserer Gartenlaube, drehte sich zu mir um und lächelte mich aufmunternd an. Ohne zu überlegen hob ich das Rakos an die Lippen, holte tief Luft, hielt einen Moment inne und zielte. Der Pfeil durchdrang das Blütenblatt und blieb in der hölzernen Wand stecken. Mit einem äusserst zufriedenen Gesichtsausdruck zog mein Vater den Pfeil aus dem Holz, kehrte zu mir zurück und übergab ihn mir mit einem leichten Nicken.


Ich sah das Gesicht meines Vaters vor mir, lächelnd wie an jenem Tag. Wenige Minuten später schaute ich dem Vogel nach, welcher den beschwerlichen Weg zu meinen Brüdern auf sich

nehmen musste. Ich konnte ihre Antwort kaum erwarten.