Meine Seele
Unvermittelt stand er vor mir. Ich war abgelenkt durch einen Turmgeist, doch selbst wenn nicht, sogar für das Gehör einer Onlo sind seine Schritte kaum wahrnehmbar. Begehrlich schweifte sein Blick über meinen Reisebeutel. Instinktiv hielt ich ihn fest und suchte Schutz hinter Modrins starkem Stamm. Sein Lächeln verhiess nichts Gutes. Er verlor nicht viele Worte, und ehe ich mich versah, war mein Reisebeutel leer, und mir blieb nichts ausser meine Kleider am Leib sowie Plamen Lesa. Einzig Modrin stand noch neben mir, ebenso verwirrt wie ich. Genau so leise wie er aufgetaucht war verschwand der Schattentänzer wieder.
Ein glühender Schmerz durchfuhr mich. Dralion! Meine Seele!
Es ist mir rätselhaft, wie sich Simon seiner bemächtigen konnte - ich hatte den Dieb wohl unterschätzt, wenn er gar mit einem Vulkan-Waldschnapper fertig wird! Ich weiss nicht wie und weshalb, doch Dralion war nicht mehr bei mir, sondern in den Händen dieses Unholdes, und er litt. Die Vulkan- Waldschnapper besitzen zwar gewisse Kräfte, ihre Magie, doch letztlich sind sie aus Fleisch und Blut und den Gefahren der Welt ebenso ausgeliefert wie jedes andere Wesen.
Mit jedem Schritt, den sich der Schattentänzer und damit Dralion von mir entfernte, wurden die Schmerzen grösser. Mir war, als ob meine Seele langsam aus meiner Brust gerissen würde. Er war verängstigt, und wütend, und allein. Ich spüre, was in Dralion vorgeht, ebenso wie er weiss, was ich fühle. Ein Band verbindet uns, doch nun wird es schwächer und schwächer, die Entfernung zehrt daran. Es darf nie zerreissen. Noch spüre ich es, und obgleich die Schmerzen unerträglich sind, lieber ertrage ich das hundertfache davon als diese entsetzliche Leere, die Dralion hinterlassen würde. Doch ich fühle, wie diese Leere, diese Gleichgültigkeit mich umkreist, sich an mich herantastet, Wege sucht, von mir Besitz zu nehmen.
Meine Kniee wurden weich, und wären Modrins starke Äste nicht gewesen, ich wäre auf der Stelle zusammengebrochen. Simon verhöhnte mich, mich und Dralion, rühmte sich seiner Taten. Leere Versprechen machte er - wenn ich ihn aufsuche, händige er mir meinen Besitz wieder aus. Jeder Schritt kostete mich Kraft, doch der Gedanke daran, Dralion bald wieder in den Armen zu halten, seinen warmen Atem in meiner Halsbeuge zu spüren entfachte mein Feuer in mir. An der Lichtung ruhte ich mich einen Moment aus, sammelte neue Kraft, als unerwartet aus dem Unterholz eine Zauberin auftauchte. Es dauerte einen Moment, bis ich sie bemerkte. Erst als sie mir einen kleinen, wohlverpackten Zauber in die Hand drückte, erkannte ich Avalia, die mit besorgtem Gesicht vor mir stand. Ich fand kaum Worte, um mich zu bedanken, und gleichzeitig zweifelte ich an mir, ob ich die Kraft aufbringen würde, diesen Zauber zu wirken. Mit leiser Stimme sprach sie aufmunternde Worte zu mir, erinnerte mich an Dralion. Als ob das nötig gewesen wäre, all meine Gedanken waren bei ihm! Die Schmerzen in meiner Brust waren mittlerweile fast unerträglich geworden. Matt bedankte ich mich bei der Zauberin, raffte mich auf und machte mich auf den Weg, mich dem Schattentänzer zu stellen.
Ich fand ihn, hochmütig auf der Buraner Mauer thronend, doch kaum vernahm er meine Schritte neben sich, verschwand er feige wie eine Wühlratte. Er brach sein Versprechen. Ich folgte ihm an den Strand von Urdanien, jeder Schritt, so redete ich mir ein, brachte mich einen Schritt weiter in Dralions Nähe, und einzig dieser Gedanke liess mich einen Fuss vor den andern setzen. Ich fühlte, wie das Band stärker wurde. Ich war auf dem richtigen Weg. Schleppenden Schrittes, gestützt durch Modrin, erreichte ich den Strand und sah den Meisterdieb weit draussen in den Wellen stehen, spottend. Dann verliessen mich meine Kräfte, Dunkelheit umschloss mich.
Ein glühender Schmerz durchfuhr mich. Dralion! Meine Seele!
Es ist mir rätselhaft, wie sich Simon seiner bemächtigen konnte - ich hatte den Dieb wohl unterschätzt, wenn er gar mit einem Vulkan-Waldschnapper fertig wird! Ich weiss nicht wie und weshalb, doch Dralion war nicht mehr bei mir, sondern in den Händen dieses Unholdes, und er litt. Die Vulkan- Waldschnapper besitzen zwar gewisse Kräfte, ihre Magie, doch letztlich sind sie aus Fleisch und Blut und den Gefahren der Welt ebenso ausgeliefert wie jedes andere Wesen.
Mit jedem Schritt, den sich der Schattentänzer und damit Dralion von mir entfernte, wurden die Schmerzen grösser. Mir war, als ob meine Seele langsam aus meiner Brust gerissen würde. Er war verängstigt, und wütend, und allein. Ich spüre, was in Dralion vorgeht, ebenso wie er weiss, was ich fühle. Ein Band verbindet uns, doch nun wird es schwächer und schwächer, die Entfernung zehrt daran. Es darf nie zerreissen. Noch spüre ich es, und obgleich die Schmerzen unerträglich sind, lieber ertrage ich das hundertfache davon als diese entsetzliche Leere, die Dralion hinterlassen würde. Doch ich fühle, wie diese Leere, diese Gleichgültigkeit mich umkreist, sich an mich herantastet, Wege sucht, von mir Besitz zu nehmen.
Meine Kniee wurden weich, und wären Modrins starke Äste nicht gewesen, ich wäre auf der Stelle zusammengebrochen. Simon verhöhnte mich, mich und Dralion, rühmte sich seiner Taten. Leere Versprechen machte er - wenn ich ihn aufsuche, händige er mir meinen Besitz wieder aus. Jeder Schritt kostete mich Kraft, doch der Gedanke daran, Dralion bald wieder in den Armen zu halten, seinen warmen Atem in meiner Halsbeuge zu spüren entfachte mein Feuer in mir. An der Lichtung ruhte ich mich einen Moment aus, sammelte neue Kraft, als unerwartet aus dem Unterholz eine Zauberin auftauchte. Es dauerte einen Moment, bis ich sie bemerkte. Erst als sie mir einen kleinen, wohlverpackten Zauber in die Hand drückte, erkannte ich Avalia, die mit besorgtem Gesicht vor mir stand. Ich fand kaum Worte, um mich zu bedanken, und gleichzeitig zweifelte ich an mir, ob ich die Kraft aufbringen würde, diesen Zauber zu wirken. Mit leiser Stimme sprach sie aufmunternde Worte zu mir, erinnerte mich an Dralion. Als ob das nötig gewesen wäre, all meine Gedanken waren bei ihm! Die Schmerzen in meiner Brust waren mittlerweile fast unerträglich geworden. Matt bedankte ich mich bei der Zauberin, raffte mich auf und machte mich auf den Weg, mich dem Schattentänzer zu stellen.
Ich fand ihn, hochmütig auf der Buraner Mauer thronend, doch kaum vernahm er meine Schritte neben sich, verschwand er feige wie eine Wühlratte. Er brach sein Versprechen. Ich folgte ihm an den Strand von Urdanien, jeder Schritt, so redete ich mir ein, brachte mich einen Schritt weiter in Dralions Nähe, und einzig dieser Gedanke liess mich einen Fuss vor den andern setzen. Ich fühlte, wie das Band stärker wurde. Ich war auf dem richtigen Weg. Schleppenden Schrittes, gestützt durch Modrin, erreichte ich den Strand und sah den Meisterdieb weit draussen in den Wellen stehen, spottend. Dann verliessen mich meine Kräfte, Dunkelheit umschloss mich.


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