Lar Tmava

Eine grossgewachsene, schlanke Onlo mit einem kleinen anatubischen Vulkan-Waldschnapper auf der Schulter.

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Standort: Baumzucht

Sonntag, August 13, 2006

Der Schattentänzer

Im schummrigen Licht des Gasthauses erkannte ich die schmale Gestalt des Schattentänzers erst beim zweiten Hinsehen. Er verschwand beinahe vollständig zwischen den Schatten, welche die flackernden Laternen unregelmässig auf die Tische und Bänke warfen. Dralion fest an mich drückend setzte ich mich an seinen Tisch. Ein fetter Geselle, der wohl nicht erst sein erstes Bier vor sich stehen hatte, fuhr mich grob an, ich solle mir einen andern Tisch suchen. Noch bevor ich etwas erwiedern konnte, hatte der Schattentänzer schon ein kleines, aber scharfes Messer an des Gesellen Kehle gesetzt und zischte ihm etwas ins Ohr. Es schien überzeugend zu sein, denn er verliess den Tisch fluchtartig.

Mit höflichem Geplänkel hielten wir uns nicht auf. Er ist ein Mann der Taten, und mir brannten einige dringende Fragen auf der Seele, für deren Antworten ich mein gesamtes Hab und Gut geopfert hätte. Zu meiner Überraschung gab mir der Schattentänzer bereitwilliger Auskunft, als ich es für möglich gehalten hätte. Er erzählte mir von der Schattenakademie und von der Schattenkunst, mit Hilfe derer er Dralion von meiner Seite entführt hatte. Die Schattenkunst wirkt auf lebende Wesen. Indem Schatten um das Wesen gewoben werden, kann das Wesen weder sehen hoch hören noch sich orientieren - und somit auch keine wie auch immer gartete Magie ausüben. Wie um seine Überlegenheit zu demonstrieren spürte ich plötzlich wieder diesen glühenden Schmerz, und es dauerte einen Moment, bis ich wieder klar denken konnte. Dralion sass vor mir auf dem Tisch, ebenso verwirrt wie ich, Schmerz und Scham in seinen Augen.

Dicht drängte er sich an mich, zitternd, schwach, aber wohlbehalten. Zaghaft blies er warmen Dampf an meine Halsbeuge, und ein unbeschreibliches Glücksgefühl durchflutete mich. Endlich waren wir wieder komplett - ich und Dralion.

Seine Schuppen waren blass, und sein Dampf nicht viel mehr als warmer Atem, aber er war bei mir, das war alles, was zählte. Es würde nicht lange dauern und sein Schuppenkleid wird wieder in leuchtendem Rot erstrahlen. Dennoch, jetzt, wo wir wieder zusammen sind, beginne ich mir Gedanken zu machen. Wie war es möglich, dass der Schattentänzer ein Wesen wie Dralion entführen konnte? Vulkan-Waldschnapper bewegen sich schnell, schneller als Onlos schauen können, und sie können nach Belieben in einer kleinen Dampfwolke verschwinden und an anderer Stelle wieder auftauchen. Dass der Schattentänzer so schnell war, daran zweifle ich, und selbst wenn - was hinderte Dralion daran, sich mittels einer Dampfwolke zu mir zu bewegen? Hätte er nur irgendwie gekonnt, hätte er es getan! Was also hinderte ihn? Oder... wer?

Auch frage ich mich, weshalb Dralion entführt wurde. Wohl kaum aus materiellen Gründen, obwohl Vulkan-Waldschnapper sehr selten sind, und nur wenige Onlos je einen zu sehen bekamen. Aber Onlos wissen auch, dass man diese Schnapper nicht käuflich erwerben kann. Die Schnapper erwählen den Onlo, es gibt keinen andern Weg. Vielleicht ein verrückter Sammler seltener Wesen, der ihn ausstopfen wollte? Schon nur beim Gedanken daran dreht sich mir der Magen um.

Auch erwähnte der Schattentänzer einen Auftraggeber, dessen Befehle, oder Wünsche, er ausführte. Wer mag dem Meisterdieb den Auftrag gegeben haben, einen Waldschnapper zu entführen? Oder - ging es am Ende nicht um den Waldschnapper, sondern darum, dass Dralion meine Seele ist? Aber, wer könnte Interesse daran haben, einer Onlo ihre Seele zu rauben? Ich weiss es nicht.

Aber ich weiss, dass mich diese Fragen nicht ruhen lassen werden.