Lar Tmava

Eine grossgewachsene, schlanke Onlo mit einem kleinen anatubischen Vulkan-Waldschnapper auf der Schulter.

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Standort: Baumzucht

Mittwoch, Juli 12, 2006

Modrin und Listnaty

Langsam brach die Dämmerung herein, und in der Luft lag der Geruch des herannahenden Regens. Jede Bewegung fiel mir schwer, und ich sehnte mich nach der wohltuenden Kühle meiner Lichtung. Eine Horde Staubgeister hatte sich uns in den Weg gestellt, doch mit Hilfe der Flamme des Waldes und unter Modrins Schutz wichen sie alsbald und wurden wieder zu dem Staub, aus welchem sie entstanden waren. Besorgt sah ich die tiefen Wunden, welche Modrin in den Kämpfen davon getragen hatte. Das war nichts ungewöhnliches, viele gemeinsame Schlachten hatten wir geschlagen, und stets hatte ich danach ihre Wunden versorgt. Die Zeit heilte Modrin's Verletzungen, doch mit Hilfe der Alten Onlo-Magie verschlossen sich die klaffenden Risse noch schneller. Doch der Tag war lang gewesen heute, und ich hatte vor, Modrin und mich in Ruhe auf der Lichtung zu versorgen.

Wir beschlossen, noch einen kleinen Umweg durch den Nebelwald von Dranar zu nehmen und einen Abstecher zur Onlo-Hütte zu machen. Wie so oft versuchte ich mir vorzustellen, wie die Wälder von Dranar wohl vor der Invasion der Nebel ausgesehen hatten. Die Nebelschwaden dämpften jeden Laut, und so stockte mir der Atem, als wir plötzlich unversehens vor einem gereizten Nebelwolf standen. Drohend bewegte er sich seitwärts, die Vorderläufe gebeugt, den Blick starr auf uns gerichtet. Ich sah, wie sich sein Nackenfell sträubte, sah, wie sich die Nebelschwaden kräuselten, wenn sein übelriechender Atem aus seinem Maul strömte.

Mit einem leisen Schnauben verschwand Dralion aus meinen Armen und ohne hinzusehen wusste ich, dass er in Modrin's Geäst sass, um seine Schmerzen zu lindern. Er stand dicht hinter mir, seine kräftigen Äste wie einen Käfig um mich gebreitet, bereit jeden Angriff des Nebelwolfes abzuwehren. Ich spürte mehr als ich es sah, das leichte Zittern seiner Äste, die Erschöpfung.

Der erster Sprung kam völlig unerwartet, doch Modrin stand tapfer, und ich hörte den dumpfen Aufprall, als der schwerer Körper mit seinen Ästen zusammenstiess. Lärchennadeln lagen zu meinen Füssen. Meine Flamme hatte kaum seinen Pelz angesengt, und ich wusste, dass Modrin's und meine Kraft nicht reichen würde, um das Untier zu bezwingen. Doch eine Flucht kam nicht in Frage, denn unglücklicherweise stand, hoch und unüberwindbar, die Stadtmauer hinter uns.

Mit dem zweiten Sprung hatten wir gerechnte, doch er war nicht minder stark wie der erste. Es gelang mir, dem Wolf an der Schulter eine tiefe Brandwunde zuzufügen, doch in seiner Raserei schien er das nicht einmal zu bemerken. Unerbittlich umkreiste er, setzte zum Sprung an, wenn er glaube, eine schwache Stelle gefunden zu haben - und derer gab es ständig mehr.

Wir bewegten uns langsam in Richtung des Stadttores, doch der Weg schien weit, und unsere Kräfte liessen rasch nach. Ich sah den Sprung kommen, die angespannten Hinterläufe, die Muskeln, wie eine Feder, die darauf wartete, endlich losgelassen zu werden. Modrin riss mich nach links. Meine Augen hielt ich geschlossen, und ich wartete auf das Knacken des Gebisses, doch stattdessen war da ein dumpfer Aufprall, Fleisch auf Holz. Hatte Modrin doch noch die Kraft aufgebracht, einen Angriff von ihm abzuwehren?

Doch nicht Modrin, nein, sondern der Laubbaum, welcher uns seit langem begleitete, welcher sich aber stets in sicherem Abstand gehalten hatte, stand vor uns - seine biegsamen Äste wie einen Zaun vor uns ausgebreitet, grimmig, entschlossen. Langsam bewegte er sich seitlich, schirmte uns vor dem Nebelwolf ab und ermöglichte es uns so, das Stadttor mit letzter Kraft zu erreichen.

Ausser Atem zogen wir uns zwischen die Häuserruinen zurück. Der Laubbaum stand in der Nähe und liess das Tor nicht aus den Augen, doch Nebelwölfe meiden für gewöhnlich die Stadt. Ich weiss nicht, wie lange wir erschöpft in dieser Gasse lagen. Irgendwann rappelte ich mich wieder auf, und langsam zogen wir auf direktem Weg zur Lichtung.

Die Sonne stand schon hoch, als ich wieder erwachte, und mein erster Gedanke galt Modrin. Zu meiner grössten Beruhigung stand sie in meiner Nähe, die Narben waren noch deutlich zu erkennen, doch auf dem Weg zur Besserung. Der Laubbaum stand dicht neben ihm, und die beiden waren in ein Zwiegespräch vertieft.