Der Nutzen der Botanica
Schon der Einband erfreut mein Herz, dunkles Leder und die silbernen Lettern "Botanica Onlensis". Die erste Seite ist bedeckt von meiner Mutter Handschrift, eine Widmung für mich. Wie wohl die meisten Onlos interessierten mich Pflanzen schon immer, und meine Urgrossmutter Moudhra sagte oft, dass ich ein feines Gespür für die Eigenarten der Pflanzen habe. Lange bedeute es mir nichts besonderes. Doch je länger je mehr weiss ich diese Begabung zu schätzen.
Mit den richtigen Pflanzen oder zumindest Teilen davon lässt sich sehr viel bewerkstelligen. Heiltränke, Wundsalben, Tees und Aufgüsse, Brechmittel, Giftgebräu. Es gibt kaum etwas, dass die Natur uns nicht bereitstellt, man muss es nur erkennen. Ich pflege stets eine kleine Auswahl getrockneter Pflanzenteile in meinem kleinen Lederbeutel, der an Plamen Lesa hängt, mitzuführen und wenn ich Zeit habe, studiere ich ihre Wirkungsweisen mit Hilfe der Botanica. Zum Glück habe ich die Botanica, denn manche Wirkungsweisen möchte ich wirklich nicht an mir selber ausprobieren!
Kürzlich fragte mich gar der Bauer Kuno an, ob ich ihm nicht behilflich sein könnte. Auf seinem Hof wuchert eine Pflanze, die sich rasend schnell ausbreitet. Kuno brachte mir einige Blätter und Blüten der Pflanze mit und ich suchte lange, lange in der Botanica, bis ich eine Pflanze fand, die wohl sehr eng verwandt ist mit Kuno's Pflanze: das Samradkraut. Sie ähnelt Efeu, hat aber zahlreiche kleine lila oder hellblaue Blüten. Die Blüten werden gern in getrockneter Form verwendet und in kleine Kissen eingenäht, die dann in Küchenschränke oder dergleichen gelegt werden, denn die Blüten haben die Eigenschaft, Gerüche aufzusaugen. In frischer, also lebender und wachsender Form, wird die Pflanze jedoch als Unkraut betrachtet, denn sie wuchert unheimlich schnell und breitet sich rücksichtslos aus. Ihr Genuss gilt als schädlich für Tiere, je nach Tierart sind jedoch verschiedene Reaktionen möglich. Zum Glück ist die Pflanze nicht winterhart, und wenn sie eine Zeit unter Schnee lag, reicht es, im Frühjahr, wenn der Boden noch nicht aufgetaut ist, die Wurzeln einfach aus dem Erdreich zu lösen und die Überreste zu verbrennen.
Wenn ich mir die Beschreibung so durchlese hoffe ich, dass keines von Kuno's Tieren von der Pflanze gefressen hat. Da es fast unmöglich ist, die Pflanze in lebendem Zustand loszuwerden, frage ich mich, wie er dieses Problem löst, denn seinen Erzählungen zufolge ist schon der halbe Hof überwuchert!


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