Der Frühlingsball
Schon seit längerem geht die Kunde um, dass bald ein Frühlingsball stattfinden soll, und nun ist er angesetzt auf den nächsten Samstag.
Seit ich das erste Mal davon hörte, bin ich unentschlossen, was ich tun soll.
Ich kann mich noch genau erinnern....ich war noch eine kleine Onlo, wohl so sieben oder acht. Mein Vater war eingeladen an einen Ball, und mein ältester Bruder durfte mitgehen. Er war sehr aufgeregt, und ich weiss noch genau, wie sehr ich ihn bewunderte, als ich ihn in seinem eigens für ihn geschneiderten, dunkelgrünen Anzug da stand, bereit für den Ball. Der edle Stoff hatte einen matten Schimmer, und über eine Schulter und quer über die Brust trug er das Band, welches zur traditionellen Festkleidung der Onlos meiner Heimat gehört. Es war aus feinem Leder gefertigt und am Rande mit kunstfertigen Stickereien geschmückt. Im Laufe seines Lebens würden immer mehr Stickereien dazukommen. Ich habe noch genau meines Vaters Band vor Augen - es war über und über bestickt. Immer, wenn etwas sehr Wichtiges in seinem Leben geschah, wurde dies mit den Stickereien festgehalten. Wenn ich lange genug bettelte, nahm mein Vater das Band hervor, zeigte mir die Stickereien und erklärte mir mal diese, mal jene. Die Stickerei die Geburt meiner Brüder, meine Geburt, den Tod seiner Mutter, seines Vater...viele Erinnerungen waren in filigranen Stichen für immer festgehalten.
Auch mein Bruder ein solches Band, das Zeichen dafür, dass er der Jugend entwachsen war, und seine Augen leuchteten voller Vorfreude auf den Ball. Ich war an dem Abend so aufgeregt, dass ich nicht schlafen konnte - ich wusste nicht, was ein Ball war, doch die Freude meines Bruders und die wenigen Erzählungen meines Vaters liessen mich solch einen Ball in den schönsten Farben ausmalen. Irgendwann muss ich dann dennoch eingeschlafen sein, denn als ich erwachte, war schon heller Morgen, und das Licht schien durchs Laubdach in mein Zimmer.
Mein Bruder schlief noch, und ich wartete ungeduldig, bis er endlich aufwachte und mir von seinem Ball erzählen würde. Lange, lange wurde meine Geduld auf die Probe gestellt. Doch das Warten lohnte sich, denn was mir mein Bruder erzählte, übertraf meine farbigsten Phantasien. Er erzählte mir von den vielen Lichtern, den funkelnden Gläsern. Er beschrieb mir die Kleider der Onlo-Damen mit vielen Details, die vielen Farben, das Rascheln, wenn die Damen tanzten. Er summte mir einige Melodien vor, zu welchen er getanzt hatte, erklärte mir, welche köstlichen Speisen, welch erlesenen Weine er probiert hatte. Wie beneidet ich ihn! Ach, wie unbdingt wollte ich auch an einen solchen Ball gehen...
Mit siebzehn durfte ich dann endlich an meinen ersten Ball, und er war noch grossartiger, als ich es mir erträumt hatte. Ich trug eine Robe aus grünem Samt, ein spezieller Schnitt, wie er von Onlos meiner Heimat zu Feierlichkeiten getragen wird. Je nach Lichteinfall schimmerte der Stoff hellgrün wie junge Birkenknospen, changierte über ein sattes Grün von Sommerwiesen bis zu einem dunklen Grün wie jenes von altgewachsenen Tannen. Die Ärmel und der Ausschnitt waren mit vielen bunten Stickereien verziert, ähnlich jenen, wie sie mein Vater auf seinem Band trug. Die Haare trug ich hochgesteckt, und kleine rote Blüten prangten darin. Ich tanzte bis zum Morgengrauen, meine Füsse schmerzten, doch die Farben, die Düfte, die Musik, es war herrlich.
Es folgten noch viele weitere Bälle, und ich genoss jeden einzelnen. Daher zieht es mich zum Frühlingsball. Wie könnte ich nur danebenstehen, ohne selber hinzugehen. Doch andererseits weiss ich, dass es besser ist, wenn ich es lasse. Ein Ball ohne Begleitung ist kein richtiger Ball für mich. Doch eine Begleitung möchte ich nicht, denn zu schnell begeistert sich mein Herz, und das würde mich nur abhalten von meiner eigentlichen Aufgabe, die ich schon zu lange vernachlässigt habe - der Suche nach den Alten Onlo-Schriften.
Seit ich das erste Mal davon hörte, bin ich unentschlossen, was ich tun soll.
Ich kann mich noch genau erinnern....ich war noch eine kleine Onlo, wohl so sieben oder acht. Mein Vater war eingeladen an einen Ball, und mein ältester Bruder durfte mitgehen. Er war sehr aufgeregt, und ich weiss noch genau, wie sehr ich ihn bewunderte, als ich ihn in seinem eigens für ihn geschneiderten, dunkelgrünen Anzug da stand, bereit für den Ball. Der edle Stoff hatte einen matten Schimmer, und über eine Schulter und quer über die Brust trug er das Band, welches zur traditionellen Festkleidung der Onlos meiner Heimat gehört. Es war aus feinem Leder gefertigt und am Rande mit kunstfertigen Stickereien geschmückt. Im Laufe seines Lebens würden immer mehr Stickereien dazukommen. Ich habe noch genau meines Vaters Band vor Augen - es war über und über bestickt. Immer, wenn etwas sehr Wichtiges in seinem Leben geschah, wurde dies mit den Stickereien festgehalten. Wenn ich lange genug bettelte, nahm mein Vater das Band hervor, zeigte mir die Stickereien und erklärte mir mal diese, mal jene. Die Stickerei die Geburt meiner Brüder, meine Geburt, den Tod seiner Mutter, seines Vater...viele Erinnerungen waren in filigranen Stichen für immer festgehalten.
Auch mein Bruder ein solches Band, das Zeichen dafür, dass er der Jugend entwachsen war, und seine Augen leuchteten voller Vorfreude auf den Ball. Ich war an dem Abend so aufgeregt, dass ich nicht schlafen konnte - ich wusste nicht, was ein Ball war, doch die Freude meines Bruders und die wenigen Erzählungen meines Vaters liessen mich solch einen Ball in den schönsten Farben ausmalen. Irgendwann muss ich dann dennoch eingeschlafen sein, denn als ich erwachte, war schon heller Morgen, und das Licht schien durchs Laubdach in mein Zimmer.
Mein Bruder schlief noch, und ich wartete ungeduldig, bis er endlich aufwachte und mir von seinem Ball erzählen würde. Lange, lange wurde meine Geduld auf die Probe gestellt. Doch das Warten lohnte sich, denn was mir mein Bruder erzählte, übertraf meine farbigsten Phantasien. Er erzählte mir von den vielen Lichtern, den funkelnden Gläsern. Er beschrieb mir die Kleider der Onlo-Damen mit vielen Details, die vielen Farben, das Rascheln, wenn die Damen tanzten. Er summte mir einige Melodien vor, zu welchen er getanzt hatte, erklärte mir, welche köstlichen Speisen, welch erlesenen Weine er probiert hatte. Wie beneidet ich ihn! Ach, wie unbdingt wollte ich auch an einen solchen Ball gehen...
Mit siebzehn durfte ich dann endlich an meinen ersten Ball, und er war noch grossartiger, als ich es mir erträumt hatte. Ich trug eine Robe aus grünem Samt, ein spezieller Schnitt, wie er von Onlos meiner Heimat zu Feierlichkeiten getragen wird. Je nach Lichteinfall schimmerte der Stoff hellgrün wie junge Birkenknospen, changierte über ein sattes Grün von Sommerwiesen bis zu einem dunklen Grün wie jenes von altgewachsenen Tannen. Die Ärmel und der Ausschnitt waren mit vielen bunten Stickereien verziert, ähnlich jenen, wie sie mein Vater auf seinem Band trug. Die Haare trug ich hochgesteckt, und kleine rote Blüten prangten darin. Ich tanzte bis zum Morgengrauen, meine Füsse schmerzten, doch die Farben, die Düfte, die Musik, es war herrlich.
Es folgten noch viele weitere Bälle, und ich genoss jeden einzelnen. Daher zieht es mich zum Frühlingsball. Wie könnte ich nur danebenstehen, ohne selber hinzugehen. Doch andererseits weiss ich, dass es besser ist, wenn ich es lasse. Ein Ball ohne Begleitung ist kein richtiger Ball für mich. Doch eine Begleitung möchte ich nicht, denn zu schnell begeistert sich mein Herz, und das würde mich nur abhalten von meiner eigentlichen Aufgabe, die ich schon zu lange vernachlässigt habe - der Suche nach den Alten Onlo-Schriften.


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