Lar Tmava

Eine grossgewachsene, schlanke Onlo mit einem kleinen anatubischen Vulkan-Waldschnapper auf der Schulter.

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Standort: Baumzucht

Donnerstag, Dezember 21, 2006

Die Tränenweide

Manchmal, wenn der Südwind das Laub der Wälder streichelt und leise traurige Weisen singt, erinnern sich die Bäume an alte Legenden, und grosse Trauer erfüllt ihre Herzen, und manchmal, aber nur manchmal, weinen die Bäume und ihre Tränen sind voll ihres Schmerzes und ihrer Trauer aber auch ihrer Hoffnung.


Es begab sich vor langer Zeit, dass an der Quelle eines kleinen, lebhaften Bachs eine grosse Weide wuchs. Die Weide und der Bach waren bald gute Freunde. Oft erzählte der Bach der Weide, was er auf seiner langen Reise talwärts sah. Er erzählte von den saftigen Auen, die er durchfloss, von den Tieren, die zu ihm kamen, um sich an seinem Wasser zu laben. Er beschrieb die Bäume, welche sein Ufer säumten und die Steine, die sein Bett bildeten. Und während der Fluss erzählte, wurde die Weide immer trauriger. Kummer hängte sich an ihre Zweige und zog sie in die Tiefe, bis sie fast den Fluss streiften.


Da fragte der Fluss besorgt: *Sag, teure Freundin, welche Gram beugt deine Zweige?*


Die Weide seufzte, und die Zweige hingen noch ein wenig tiefer als sie antwortete: *Ach, liebster Fluss! So gern ich deinen Erzählungen lausche, je mehr ich über die Welt erfahre, desto trauriger werde ich. Denn niemals werde ich all jene Schönheiten sehen, von welchen du mir berichtest, denn meine Wurzeln stecken tief im Erdreich, und mein Platz ist hier.*


Da schwieg der Fluss betroffen, und für kurze Zeit wurde gar sein lustiges Sprudeln leiser. Die Zweige der Weide senkten sich immer tiefer und tiefer, und ihr Seufzen vermischte sich mit dem Glucksen des Flusses. Die Weide dachte an all die fernen Orte, welche sie nie erblicken würde, und schliesslich wurde ihr Kummer so gross, dass sie zu weinen begann. Sie weinte grosse, schwere, gramerfülle Tränen, welche langsam an den Ästen hinab rollten, ihre Blätter benetzten und schliesslich in den Fluss tropften. Dort vermengten sich die salzigen Tränen mit dem süssen Wasser des Flusses und gemeinsam flossen sie talwärts. Vorbei an saftigen Auen, die die Weide durch ihre Tränen und durch ihren treuen Freund nun endlich sehen konnte. Und die Auen waren noch viel grüner, als die Weide es sich je vorgestellt hatte. Und als sie weiterflossen, grüsste die Weide die Tiere, die ans Ufer des Flusses kamen, um sich an ihm zu laben, und sie grüsste die Bäume, welche sein Ufer säumten. Sie spürte die Steine, welche sein Bett bildeten, und nun war die Weide glücklich.


Seither wird die Weide auch Tränenweide genannt. Sie ist beileibe nicht der einzige Baum, welcher weint, doch eines ist den Tränen aller Bäume gemein: in ihnen liegt nebst Trauer auch Kraft und Hoffnung und Sehnsucht nach fremden Orten mit all ihrer Schönheit.