Das Leben in den Wäldern
Ich durchstreifte nun schon länger die Wälder, auf der Suche nach meinem Namen, doch noch immer schwiegen die Bäume, wenn ich die Gespräche darauf lenkte. Es war mir ein Rätsel, weshalb sie so hartnäckig schwiegen und ich wusste, dass ich nichts dagegen unternehmen konnte. Dennoch ging mir langsam die Geduld aus, und immer öfter dachte ich daran, die Einsamkeit der Wälder hinter mir zu lassen und mich wieder unter meine Freunde, unter Wesen zu begeben.
Es dauerte eine Weile, bis das feuchte Holz endlich brannte, und anfangs war mehr dichter Rauch als fröhliche Flammen zu sehen. Bald schon aber flackerte das Feuer heiss genug, um etwas Wasser zu kochen und mir einen Tee aufzugiessen. Ich sass vor dem kleinen Unterstand, welchen ich mir während des Sommers zusammengezimmert hatte. Er besteht aus einem Dach und vier Wänden, nur wenige Schritte lang. Vier Birken, die in einem etwas unregelmässigen Viereck wachsen, bilden die Eckpfeiler. Die Wände sind aus Ästen geflochten und mit den lederartigen Blättern des Kuschonenbaumes abgedichtet. Der Unterstand hat keine Fenster und nur eine sehr schmale Tür, welche ich mit zusammengenähten Fellen verschliesse. Das Dach habe ich mit mehreren Schichten Kuschonenblättern und Rindenteilen bedeckt, und es hält auch starkem Regen stand. Im Innern nimmt mein Schlaflager eine ganze Seitenwand ein, an der gegenüberliegenden Wand hängen einige wenige Habseligkeiten, welche ich weder in der Bank lassen noch ständig mit mir herumtragen möchte. Vor meinem Unterstand liegt eine kleine, von Steinen umsäumte Feuerstelle. In der Hütte benötige ich kein Feuer. Die wenigen Stunden, die ich jeweils dort schlafe, wärmt mich Dralion, und die meiste Zeit streife ich sowieso durch die Wälder. Mir gefällt mein Unterstand, dennoch habe ich mir vorgenommen, ihn im nächsten Frühjahr zu erweitern und bequemer einzurichten und mir somit mein eigenes kleines Heim zu errichten.
Bei meinen Streifzügen durch die Wälder bin ich froh um meinen Umhang, den ich von Moudhra erhalten hatte. Sein Prinzip ist sehr einfach: ein aus Lederstücken zusammengenähtes Viereck. Erst bei näherem Hinsehen zeigt sich die Kunstfertigkeit der Herstellung. Der Umhang besteht aus drei Schichten, die aber so dünn sind, dass der Umhang nicht dicker ist als ein gewöhnlicher Umhang aus Wollstoff: die äusserste Schicht besteht aus dunkel gefärbtem Leder, welches so sorgfältig vernäht wurde, dass weder Wind noch Regen durch die Nähte zu dringen vermögen. Die innerste Schicht, welche auf dem Körper getragen wird, ist aus weichem, aber strapazierfähigem Stoff. Die mittlere Schicht, schliesslich, wurde aus den Fasern der Pawough-Pflanze gewoben. Es gibt nicht mehr viele Handwerker, welche diese Arbeit ausführen, denn sie ist sehr aufwändig. Die Fasern werden aus den langen, schlanken Blättern der Pflanze gewonnen und sind nicht dicker als Spinnweben, aber reissfester als ein Hanfseil. Ein Gewebe aus diesen Fäden wiegt nicht mehr als ein Ahornblatt, schützt aber wie feste Rinde. Dabei kühlt das Gewebe im Sommer und wärmt im Winter.
Der Rand des Umhangs ist mit einer ledernen Borte doppelt vernäht, und in regelmässigen, ziemlich engen Abständen sind parallel zum Rand kleine Öffnungen in die lederne Borte eingenäht. Werden durch diese Laschen Lederriemen geführt, kann der Umhang in fast jeder Position verschnürt werden. Eine Ecke des Umhangs ist zu einer Kapuze genäht, um die ich zu dieser Jahreszeit besonders froh bin. Dient mir der Umhang tagsüber als Mantel, wird er des Nachts zu meiner Schlafdecke – oder meinem Kopfkissen, denn zusammengerollt und fest verschnürt ist der Umhang nicht einmal so gross wie mein Oberschenkel.


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