Lar Tmava

Eine grossgewachsene, schlanke Onlo mit einem kleinen anatubischen Vulkan-Waldschnapper auf der Schulter.

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Standort: Baumzucht

Sonntag, Dezember 10, 2006

Der charmante Zauberer

Es war nicht mehr weit bis zu meiner kleinen Hütte, und nun sah ich sie deutlich: die Fussspuren, welche in Richtung des Unterstandes führten. Sie schienen von schweren Stiefeln zu stammen, und der Grösse nach tippte ich auf einen Mann. Ich war Modrin einen Blick zu, worauf er leise raschelnd zwischen den Bäumen verschwand, um mir wenige Minuten später zu berichten, dass ein einfach gekleideter und allem Anschein nach lediglich mit einem Stab bewaffneter Mann vor meinem Unterstand sass und dabei war, ein Feuer zu entfachen. Ich nickte, packte Plamen Lesa fester und ging auf leisen Onlo-Sohlen auf den Unterstand zu. Modrin verwischte derweil mit seinen Wurzeln die Spuren hinter mir, ohne mich dabei aus den Augen zu lassen.



Reglos stand ich im Halbschatten und betrachtete das Wesen, welches in der Tat bereits ein kleines Feuer entfacht hatte. Der Mann schien mich nicht zu bemerken, und ich musste wider Willen grinsen, als ich zusah, wie er einen kunstvoll verzierten Stab in die Hand nahm und ihn einmal kräftig gegen den Boden stiess. Staub rieselte aus dem Stab und formte sich in der Luft zu einer Tasse, welche der Mann nun aus der Luft pflückte und sogleich wärmend in seine Hände nahm.



Noch immer hielt ich Plamen Lesa fest in der Hand. „Ladet Ihr mich zu einer Tasse Tee ein, werter Herr Zajmav?“ Ich trat aus dem Halbschatten hervor und stand nach wenigen Schritten neben ihm.
„Verflucht!“ Der Zauberer wedelte mit der Hand, über welche er sich vor Schreck über mein plötzliches Auftauchen heissen Tee geschüttet hatte.



„Ihr habt mich erschreckt! Was müsst Ihr Euch auch so anschleichen, werte Dame.“ Carodey blickte mich vorwurfsvoll an, stellte seine Tasse hin und rieb sich die verletzte Hand.
„Anschleichen? So sind wir Onlo nunmal. Zeigt Eure Hand her, so schlimm wird es doch nicht sein.“ Brav streckte er mir die Hand entgegen, und als ich sie umfasste, um mir die Verbrühung anzusehen, zwinkerte er mir charmant zu. Ich ignorierte seinen Blick und öffnete den kleinen Lederbeutel, welcher an Plamen Lesa hing. Einen Moment überlegte ich, dann nahm ein fast rundes, dickes Blatt heraus, zog meinen kleinen Dolch und ritzte kreuz und quer einige Rillen ins Blatt. Dann legte ich es mit den Rillen nach unten auf die Verletzung, träufelte etwas Wasser darüber und wies den Zauberer an, das ganze gut festzudrücken. „Die Feuchtigkeit treibt die heilenden Säfte aus dem Blatt und kühlt gleichzeitig. Sorgt dafür, dass das Blatt stets feucht ist.“
Er nickte. „Habt Dank, Verehrteste“. Ich rollte heimlich mit den Augen. „Könnt Ihr trotz Eurer schweren Verletzung eine Tasse Tee für mich herzaubern, oder soll ich einen Kessel Wasser aufsetzten?“



Wenig später sassen wir beide dicht neben dem Feuer, eine dampfende Tasse Tee in den Händen. Nun wollte ich aber doch wissen, was der gute Herr bei meiner Hütte zu suchen hatte. Er erklärte mir, dass er den Unterstand nur per Zufall gefunden hätte. Er habe die letzten Wochen bei einem weit entfernt lebenden Freund verbracht, welcher geheiratet hatte („Der Ärmste!“) und befand sich nun auf dem Rückweg nach Konlir. Da es schon dunkel war, bot ich ihm an, dass er die Nacht bei mir im Unterstand verbringen könne. Auf dem Boden sei genug Platz für sein Lager, fügte ich rasch hinzu, als ich das Aufblitzen in seinen Augen sah. Er nickte und bedanke sich sehr höflich, bis ich ihm meine Hand, auf welche er eben einen Kuss drücken wollte, entzog. „Werter Herr Zajmav, Ihr seid ein unverbesserlicher Charmeur, doch wenn Ihr Euch nicht benehmt, wird es keine nächste Generation Zajmavs geben, der Ihr Euren Charme vererben könnt.“



Carodey war zwar kein grossartiger Koch, aber die Dinge, die er aus seinem Staub zauberte, schmeckten dennoch gar nicht so schlecht. Vor allem der Wein, der Wein war hervorragend, selten hatte ich besseren getrunken. Der Zauberer war ein ausgezeichneter Gesellschafter, und da er schon weit in der Welt herumgekommen war, wusste er zahllose Geschichten zu erzählen. Es war schon spät, als wir uns endlich zurückzogen, und ich schlief rasch ein, wohl wissend, dass Dralion und Modrin den Charmeur keine Sekunde aus den Augen lassen würden.



Am nächsten Morgen wachte ich vor dem Zauberer auf, und ein Blick auf Dralion und Modrin sagte mir, dass der Gute brav geschlafen hatte. Ich unterdrückte ein Grinsen und verliess leise den Unterstand. Das Wasser über dem Feuer war noch kaum warm geworden, als ich kurz hintereinander zwei dumpfe Schläge aus der Hütte hörte, und gleich darauf Carodey mit zwei dampfenden Tassen aus dem Unterstand kommen sah. Heisser Kakao! Wir frühstückten gemütlich, und als ich in ein noch warmes Brötchen biss, begann ich einzusehen, dass es durchaus Vorteile hat, einen Zauber als Gesellschaft zu haben. Es ergab sich irgendwie von alleine, dass Carodey mich an diesem Tag auf meinem Streifzug durch die Wälder begleitete, und auch die nächsten Tage verbrachten wir zusammen. Er stellte sich für einen Menschen gar nicht so ungeschickt an in den Wäldern, und nachdem er erst einmal viel von seinem manchmal anzüglichen Charme abgelegt hatte, kam darunter ein besonnener Carodey zum Vorschein, der mich je länger je mehr an meinen Bruder Andhiel erinnerte.