Lar Tmava

Eine grossgewachsene, schlanke Onlo mit einem kleinen anatubischen Vulkan-Waldschnapper auf der Schulter.

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Standort: Baumzucht

Dienstag, März 28, 2006

Das Schaf

Der Morgen war noch nicht einmal angebrochen, und dunkle Wolken hielten das Licht des Mondes im Himmel gefangen. Schwer fielen Regentropfen von den Blättern, und das laute Prasseln erzählte Geschichten, wenn man nur genau genug zuhörte. Ich hatte in den vergangenen Wochen viel zugehört, und zum ersten Mal seit längerem zog es mich wieder in die düsteren Gänge der Festung.

Der Ort ist mir unheimlich, und ich versuche ihn eigentlich zu meiden, aber manchmal, bei Dunkelheit, verspüre ich ein Verlangen, die traurigen Zeugnisse vergangener Gräueltaten an den Wänden zu betrachten. Langsam suchte ich meinen Weg durch die Gänge, Plamen Lesa als Fackel vor mich herhaltend. Ein Geräusch liess mich aufschrecken. Dralion tauchte plötzlich wieder auf meiner Seite auf und ich spürte seine Unruhe. Etwas war anders als sonst.

Als ich um eine Ecke bog, sah ich sofort, was ihn beunruhigt hatte: vor uns auf dem Boden lag ein kleines Schaf, ein Teil des dichten Fells dunkelrot, von Blut getränkt. Mühevoll hob es den schlanken Kopf. Schon hob ich Plamen Lesa an, um es von seinen Schmerzen für immer zu befreien, doch mitten in der Bewegung stockte ich. Ein schmerzhaftes Ziehen in meinem Arm liess mich innehalten, und mit Erstaunen fühlte ich, wie Dralion die Kraft des Bandes nutzte, um mich in meinem Vorhaben zu hindern. Selten geschieht es, dass Dralion und ich uns nicht einig sind, und jedesmal ist für uns beide schmerzvoll. Noch bevor ich etwas sagen konnte, hatte sich Dralion neben dem verletzten Schaf niedergelassen und stiess sanft seinen heilenden Dampf aus. Das verkrustete Blut begann sich zu lösen und hinterliess kleine Pfützen auf dem unebenen Boden.

Dralions Wille ist auch mein Wille, und so packte ich das kleine Schaf sorgfältig, um ihm nicht noch zusätzliche Schmerzen zu bereiten, unter meinen Umhang. Ich beschloss, es Carys zu taufen, sollte es die Verletzungen überleben.

Es sieht so aus, als ob die Verletzungen, nicht zuletzt dank Dralions eifriger Zuwendung, sauber verheilen werden. Sobald das Schäfchen wieder munter ist, werde ich es in Koluns Hochebenen freilassen.