Lar Tmava

Eine grossgewachsene, schlanke Onlo mit einem kleinen anatubischen Vulkan-Waldschnapper auf der Schulter.

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Standort: Baumzucht

Samstag, August 11, 2007

Die Geburt der Winde

Still war es auf der Erde, als der Urbaum vier Kinder gebar. Das erste erblickte im Frühjahr das Licht der Welt, das zweite im Sommer, das dritte im Herbst und das vierte im Winter. Die vier Nachkommen waren sich sehr ähnlich, doch in einigen Dingen ganz verschieden. Das Kind des Frühjahrs war sprunghaft und fröhlich, voll Tatendrang, mit wachem Geist, stets auf der Suche nach Neuem. Das Kind des Sommers war von sanftem, gutmütigem Wesen, seine Ruhe und Grosszügigkeit zeichnete es vor den andern aus. Das Kind des Herbstes war launisch und unbeständig, stets schwankend zwischen grosser Herzlichkeit und kühler Zurückweisung. Das Kind des Winters war ausdauernd und eigenwillig, und nur schwer von seinen einmal gefassten Vorhaben abzubringen.

Die vier Kinder wuchsen heran und waren bald reif, selber ihrer Wege zu gehen. Also kam der Tag, an welchem sie Abschied von ihrer Mutter nahmen. Und die Mutter sprach:

"In alle Richtungen werdet ihr ziehen, meine Kinder, euren Weg gehen und fortan euer Geschick selber an die Hand nehmen. Schwer ist das Herz einer Mutter, die Ihren gehen zu lassen, und einzig das Wissen, dass ein Teil von euch stets zu mir zurückkehren wird, lässt mich diesen Gram überdauern."

Ein letztes Mal umarmten die Kinder ihre Mutter, und sanft wisperte das Laub ihrer Krone. Und das Kind des Frühjahrs lenkte seine Schritte gen Osten, und das Kind des Sommers die seinen gen Süden, und das Kind des Sommers gen Westen, und das Kind des Winters schliesslich gen Norden. Der Urbaum schloss die Augen, und schwer wurde ihr ums Herz, und doch leicht, denn noch immer spürte sie den Atem ihrer Kinder durch ihre Laubkrone streichen.

Dunkelheit hüllte die Welt ein, und schwer lastete Gram auf des Urbaumes Blättern. Doch mit dem ersten Lichtschein am Morgen kam ein Windstoss aus dem Süden, sanft und warm, und liebkoste Blüten und Blätter, und der Urbaum lächelte, denn ein Teil des Sommerkindes war zurückgekehrt. Und bald schon wiegte sich die Laubkrone des Urbaumes in diese und jene Richtung, und in jeder Windbö lag ein Stückchen der Kinder des Urbaumes.