Der Schmetterling
Vor gar langer Zeit trug es sich zu, dass ein Feuervogelweibchen in den Wiesen von Torinh auf Futtersuche war. Sie hatte zwei Küken, welche hungrig waren, und so suchte sie eifrig, um die kleinen Schnäbel zu stopfen. Sie war stolz auf ihre Kleinen und liebte sie und in Gedanken war sie schon wieder bei ihnen, stellte sich vor, wie freudig sie das Futter verschlingen würden. So bemerkte sie in ihrem Eifer gar nicht, wie sich ihr ein Jäger näherte. Schon hatte er den Feuervogel erspäht und zog lautlos einen Pfeil aus dem Köcher. Das würde ein saftiger Braten werden!
Betört vom Duft der wilden Blüten flatterte zur selben Zeit ein Schmetterling seines Weges. Seine Flügel schimmerten in allen Farben des Regenbogens, ja gar noch in vielen Farben mehr. Der Schmetterling wollte sich gerade auf einer dunkelblauen Blüte niederlassen, als er den Feurevogel sah und im selben Augenblick auch den Jäger bemerkte. Erschrocken flattterte er mit den Flügeln. Er kannte dieses Feuervogelweibchen, und er wusste, dass zwei kleine hungrige Schnäbel sehnsüchtig auf ihre Rückkehr warteten. Ohne zu überlegen hob er sich in die Lüfte empor und flog so rasch wie seine Flügel ihn nur trugen zum Jäger.
Direkt vor seinem Gesicht blieb er in der Luft stehen und schlug mit den Flügeln. Das Sonnenlicht liess sie in allem nur erdenklichen Farben schimmern. Der Jäger hatte schon den Bogen gespannt, doch als er den wunderschönen Schmetterling sah, liess er den Bogen sinken. Wie würde sich seine kleine Tochter über diesen schillernden Schmetterling freuen!
Rasch streckte er die Hand aus, um nach dem Schmetterling zu greifen, doch noch bevor er ihn packen konnte, flatterte er davon. Doch nicht weit flog er, nur so weit, dass er ausserhalb der Reichweite des Jägers war. Mit einem raschen Schritt folgte der Jäger dem Schmetterling, und ebenso rasch flog der schillernde Schmetterling weiter. Weiter, und immer weiter flatterte der Schmetterling, und der Jäger folgte ihm, fasziniert von den schillernden Flügeln. Ebenso plötzlich, wie der Schmetterling aufgetaucht war, verschwand er auch wieder, und der Jäger stand mit einem Mal alleine da.
Das Feuervogelweibchen war, als der Jäger nach dem Schmetterling griff, aus ihren Träumereien aufgeschreckt und war, so bald der Jäger weit genug weg war, hastig davongeflogen.
Der Schmetterling liess sich erschöpft auf einem Zweig nieder, verborgen vom dichten Laub einer Buche. Seine Flügel schmerzten vom langen Flug, und schwer ging sein Atem. Nur langsam erholte er sich von den Anstrengungen und war bald schon eingenickt. Als er wieder aufwachte, hatte sich Dunkelheit über die Lande gelegt. Der Schmetterling schaute sich erschrocken um. Wie sollte er nur in der Dunkelheit seinen Weg nach Hause finden?
Ungewohnte Geräusche drangen plötzlich an sein Ohr. Überall glaubte er, gefährliche Schatten zu sehen. Angst ergriff sein kleines Herz. Als er eine grosse, dunkle Gestalt neben sich sah, stockte ihm der Atem, und er versuchte sich ganz klein zu machen. Da spürte er plötzlich eine angenehme Wärme neben sich, und als er zögerlich ein Auge öffnete, sah er einen hellen Lichtschein. Eine tiefe, sanfte Stimme sprach zu ihm:
*Hier seid Ihr, schönster Schmetterling von allen. Lange habe ich Euch gesucht, um Euch meinen Dank zu überbringen*
Mit gütigen Augen blickte der Feuervogel auf den kleinen Schmetterling herab, und ihm wurde warm ums Herz.
*Ihr habt* fuhr der Feuervogel fort, *mein Leben und das meiner Kinder gerettet. Niemals werden wir Euch das vergessen*
Und der starke Feuervogel beugte den Nacken und senkte sein Haupt in Ehrbietung vor dem kleinen Schmetterling.
*Steigt auf meinen Rücken, und ich werde Euch nach Hause fliegen. Ihr müsst sehr erschöpft sein*
So geschah es, und alsbald landeten sie sanft neben dem alten Baumstrunk auf eben jener Wiese, wo am Nachmittag der Jäger auf den Feuervogel gezielt hatte. Dankbar, wieder zu Hause zu sein, kletterte der Schmetterling von des Vogels Rücken. Doch als er auf dem Baumstumpf sass, hielt er erschrocken inne.
Sein gesamter Bauch, dort, wo er den Feuervogel berührt hatte, war warm und leuchtete sanft im Dunkeln. Fragend blickte der Schmetterling zum Feuervogel hoch.
*Durch deine schillernden Flügel hast du das Feuer beschützt. Von nun an und auf alle Zeit trägst du das Zeichen, und das Feuer wird dich beschützen*
Mit diesen Worten erhob sich der Feuervogel in die Lüfte und war alsbald in der Dunkelheit verschwunden. Der Schmetterling schaute an sich herab, bedeckte dann das Zeichen des Feuers mit seinen schillernden Flügeln und schlief ein.
Und von diesem Tage an vererbte er allen seinen Nachfahren die schillernden Flügel und das Zeichen des Feuers, doch keinem von ihnen beides. Und so kommt es, dass tagsüber Schmetterlinge mit schillernden Flügeln über die Wiesen flattern, und des nachts Schmetterlinge mit hell schimmerndem Bauch durch die Dunkelheit fliegen. Und sollte Euch je ein Schmetterling begegnen mit schillernden Flügel und dem Zeichen des Feuers auf der Brust, so neigt Euer Haupt und entbietet ihm Euren Respekt, denn Ihr habt ein wahrlich seltenes und edles Wesen vor Euch.
Betört vom Duft der wilden Blüten flatterte zur selben Zeit ein Schmetterling seines Weges. Seine Flügel schimmerten in allen Farben des Regenbogens, ja gar noch in vielen Farben mehr. Der Schmetterling wollte sich gerade auf einer dunkelblauen Blüte niederlassen, als er den Feurevogel sah und im selben Augenblick auch den Jäger bemerkte. Erschrocken flattterte er mit den Flügeln. Er kannte dieses Feuervogelweibchen, und er wusste, dass zwei kleine hungrige Schnäbel sehnsüchtig auf ihre Rückkehr warteten. Ohne zu überlegen hob er sich in die Lüfte empor und flog so rasch wie seine Flügel ihn nur trugen zum Jäger.
Direkt vor seinem Gesicht blieb er in der Luft stehen und schlug mit den Flügeln. Das Sonnenlicht liess sie in allem nur erdenklichen Farben schimmern. Der Jäger hatte schon den Bogen gespannt, doch als er den wunderschönen Schmetterling sah, liess er den Bogen sinken. Wie würde sich seine kleine Tochter über diesen schillernden Schmetterling freuen!
Rasch streckte er die Hand aus, um nach dem Schmetterling zu greifen, doch noch bevor er ihn packen konnte, flatterte er davon. Doch nicht weit flog er, nur so weit, dass er ausserhalb der Reichweite des Jägers war. Mit einem raschen Schritt folgte der Jäger dem Schmetterling, und ebenso rasch flog der schillernde Schmetterling weiter. Weiter, und immer weiter flatterte der Schmetterling, und der Jäger folgte ihm, fasziniert von den schillernden Flügeln. Ebenso plötzlich, wie der Schmetterling aufgetaucht war, verschwand er auch wieder, und der Jäger stand mit einem Mal alleine da.
Das Feuervogelweibchen war, als der Jäger nach dem Schmetterling griff, aus ihren Träumereien aufgeschreckt und war, so bald der Jäger weit genug weg war, hastig davongeflogen.
Der Schmetterling liess sich erschöpft auf einem Zweig nieder, verborgen vom dichten Laub einer Buche. Seine Flügel schmerzten vom langen Flug, und schwer ging sein Atem. Nur langsam erholte er sich von den Anstrengungen und war bald schon eingenickt. Als er wieder aufwachte, hatte sich Dunkelheit über die Lande gelegt. Der Schmetterling schaute sich erschrocken um. Wie sollte er nur in der Dunkelheit seinen Weg nach Hause finden?
Ungewohnte Geräusche drangen plötzlich an sein Ohr. Überall glaubte er, gefährliche Schatten zu sehen. Angst ergriff sein kleines Herz. Als er eine grosse, dunkle Gestalt neben sich sah, stockte ihm der Atem, und er versuchte sich ganz klein zu machen. Da spürte er plötzlich eine angenehme Wärme neben sich, und als er zögerlich ein Auge öffnete, sah er einen hellen Lichtschein. Eine tiefe, sanfte Stimme sprach zu ihm:
*Hier seid Ihr, schönster Schmetterling von allen. Lange habe ich Euch gesucht, um Euch meinen Dank zu überbringen*
Mit gütigen Augen blickte der Feuervogel auf den kleinen Schmetterling herab, und ihm wurde warm ums Herz.
*Ihr habt* fuhr der Feuervogel fort, *mein Leben und das meiner Kinder gerettet. Niemals werden wir Euch das vergessen*
Und der starke Feuervogel beugte den Nacken und senkte sein Haupt in Ehrbietung vor dem kleinen Schmetterling.
*Steigt auf meinen Rücken, und ich werde Euch nach Hause fliegen. Ihr müsst sehr erschöpft sein*
So geschah es, und alsbald landeten sie sanft neben dem alten Baumstrunk auf eben jener Wiese, wo am Nachmittag der Jäger auf den Feuervogel gezielt hatte. Dankbar, wieder zu Hause zu sein, kletterte der Schmetterling von des Vogels Rücken. Doch als er auf dem Baumstumpf sass, hielt er erschrocken inne.
Sein gesamter Bauch, dort, wo er den Feuervogel berührt hatte, war warm und leuchtete sanft im Dunkeln. Fragend blickte der Schmetterling zum Feuervogel hoch.
*Durch deine schillernden Flügel hast du das Feuer beschützt. Von nun an und auf alle Zeit trägst du das Zeichen, und das Feuer wird dich beschützen*
Mit diesen Worten erhob sich der Feuervogel in die Lüfte und war alsbald in der Dunkelheit verschwunden. Der Schmetterling schaute an sich herab, bedeckte dann das Zeichen des Feuers mit seinen schillernden Flügeln und schlief ein.
Und von diesem Tage an vererbte er allen seinen Nachfahren die schillernden Flügel und das Zeichen des Feuers, doch keinem von ihnen beides. Und so kommt es, dass tagsüber Schmetterlinge mit schillernden Flügeln über die Wiesen flattern, und des nachts Schmetterlinge mit hell schimmerndem Bauch durch die Dunkelheit fliegen. Und sollte Euch je ein Schmetterling begegnen mit schillernden Flügel und dem Zeichen des Feuers auf der Brust, so neigt Euer Haupt und entbietet ihm Euren Respekt, denn Ihr habt ein wahrlich seltenes und edles Wesen vor Euch.


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